Das Geheimnis des goldenen Gerstensafts

Praktischer Chemieunterricht mit Alltagsbezug - Besuch der Mälzerei der Firma Avangard und der Koblenzer Brauerei an der Königsbach

Wer kennt nicht die etwas flapsige Bemerkung: «Chemie ist das, was knallt und stinkt!» Dass dies aber gar nicht so sein muss, wurde in der Stufe 10 in einer Unterrichtsreihe zur organischen Chemie mit dem Thema Alkohole praktisch widerlegt: Die Schülerinnen und Schüler brauten in Eigenregie ihr eigenes Bier und arbeiteten dazu eine Projektmappe aus, in der neben den chemischen und technischen Hintergründe auch die Geschichte, Sortenkunde und der verantwortungsvolle Umgang mit Alkohol behandelt wurde. Die Vorstellung der Projekte brachte gute bis sehr gute theoretische aber auch sehr geschmackvolle praktische Ergebnisse zum Vorschein. Die Resonanz auf dieses praktische Arbeiten war durchweg positiv. - Chemie im Alltag.

Führung

Um aber auch einen Einblick der technisch-industriellen Seite des Bierbrauens zu erlangen und um das Thema abzurunden, besuchten die Klassen 10d und 10e zusammen mit den Chemielehrern Frau Kreß und Herrn Lönartz am 7. März 2017 die Mälzerei der Firma Avangard und die Koblenzer Brauerei an der Königsbach. Zuerst stand die Mälzerei im Koblenzer Industriegebiet auf dem Plan. Dort führten uns der leitende Techniker, der Produktionsleiter und der leitende Verfahrenstechniker durch die Anlage. In dieser Anlage wird aus Getreide (meist Gerste, aber auch Weizen) in einem technisch-biologischen Prozess Malz hergestellt. Das Getreide wird in Wasser eingeweicht und unter optimalen Wachstumsbedingungen von 18-20 Grad Celsius und annähernd 100 Prozent gekeimtes GetreideLuftfeuchte zum Keimen gebracht. Dabei werden die Enzyme im Korn aktiviert und der Stärkekörper im Korn wird in Maltose umgewandelt. Gleichzeitig beginnt das Korn zu wachsen, es bilden sich Spross und Wurzeln. Dies geschieht in einem sechs Etagen hohen Turm, in dem täglich einer der sechs Malzkästen befüllt wird. Nach dem Keimen muss das so genannte Grünmalz gedarrt werden. Dies geschieht in zwei Darren, die direkt neben den Malzkästen errichtet wurden. Hier wird das Malz mittels Heißluft getrocknet. Nach dem Trocknen werden die gebildeten Wurzeln entfernt und das Malz entstaubt, bevor es in Silos gelagert und abtransportiert wird. Der An- und Abtransport kann mittels Binnenschiff, Eisenbahn, LKW und Container erfolgen. Wir konnten beobachten, wie ein mit Gerste beladenes Binnenschiff mit einem Saugrüssel gelöscht wurde. Malzboden1Auch auf die technischen Aspekte wie Leistungen von Drehmotoren, Energieverbrauch und Ausmaße wurde immer wieder sehr anschaulich eingegangen. So verfügt das Werk über ein eigenes Blockheizkraftwerk. Es wird aber zur Hälfte aus der Abwärme des benachbarten Aluminiumwerks beheizt. Dies ist unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten sehr hilfreich.

Schüler im SudhausDie zweite Station war die Koblenzer Brauerei. Nachdem wir nun erfahren hatten, wie einer der Rohstoffe produziert wird, konnten wir nun im laufenden Betrieb sehen, wie aus den durch das Reinheitsgebot festgelegten Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe ein Bier hergestellt wird. Herr Riedlaicher, leitender Brauingeneur und zuständig für die Qualitätssicherung, führte uns durch die Brauerei. Hier konnten die Schülerinnen und Schüler die Stationen „in groß“ sehen, die sie während ihres eigenen Brauvorgangs im Kleinen bereits durchgearbeitet hatten. Einleitend wurden noch einmal kurz die biologisch-chemischen Schritte des Bierbrauens besprochen und die Anlage anhand schematischer Darstellungen erklärt. Besprochen wurde auch, wie sich das Bierbrauen im Laufe der Zeit verändert hat und was heute noch genau so ist wie vor hunderten von Jahren. Besonders auf den verantwortungsvollen Umgang und die gesundheitlichen Aspekte wurde noch einmal eingegangen, da nur ein maßvoller Genuss dieses Produkts keine negativen Folgen hat. Sodann ging es auch los durch die Brauerei. Herr Riedlaicher erklärt IIUnser Weg führte uns durch das Sudhaus, in dem das Malz gemaischt und der Sud gekocht wird. Hier wird auch der Hopfen zugegeben, der durch seine Bitterstoffe und Aromen aus dem faden Bier ein aromatisches und erfrischendes Getränk macht. Durch den Gärkeller und den Lagerkeller ging es zur Abfüllung. Hier wurde an alten und neuen Geräten erklärt, welche Schritte notwendig sind, um ein Bier in gleichbleibend guter Qualität und langer Lagerfähigkeit produzieren zu können.

Wir bedanken uns nochmals für die viele Mühe, die sich die Mitarbeiter in der Mälzerei und der Brauerei gemacht haben, um uns einen authentischen Einblick geben zu können.

http://www.avangard-malz.de/

http://www.koblenzer.de/